Inneres Kind heilen: Mit dieser Übung begegnest du deinem inneren Kind

Kennst du dein inneres Kind? Lässt du es frei? Es liegt an dir, dein inneres Kind anzunehmen und es zu heilen.

In deinem inneren Kind steckt so viel Weisheit. Es ist stark, zart, verletzlich, voller Liebe, wild – es ist so viel mehr. Und genau darum wird es heute gehen. Hast du Lust in diesem Beitrag deinem inneren Kind zu begegnen? Zusammen schauen wir uns an, was dein inneres Kind eigentlich ist und wie du (wieder) Kontakt aufnimmst.

“Was ist denn mein inneres Kind? Davon habe ich noch gar nichts gehört…”

Heute möchte ich dich einladen, dich deinem inneren Kind zu widmen. Doch wer oder was ist das? Dein inneres Kind ist die Kleine in dir, eine jüngere Version von dir aus der Kindheit, vielleicht auch aus der Jugendzeit. Dein inneres Kind ist ein innerer Anteil von dir und deiner Persönlichkeit.

Ganz nüchtern betrachtet können wir dein inneres Kind so beschreiben: In der Psychotherapie, aber auch im Coaching nutzt man dieses “Modell” für die Betrachtung deiner inneren Erlebnisse und Erfahrungen. Dabei symbolisiert es Gefühle, Erinnerungen und Erfahrungen aus deiner Kindheit und Jugend, die dein Gehirn und vor allem dein Unterbewusstsein gespeichert hat. Spannend, aber was heißt das konkret?

Wie entsteht dein inneres Kind?

Wir werden in unserer Kindheit geprägt durch Situationen, Gefühle, durch alles, was wir erleben. Und da erleben wir auch Situationen, die uns mehr beeinflussen als andere. So kann dich manche Erfahrung ein Stück weit traumatisieren und tiefer prägen als andere. Das können sowohl positive als auch negative Situationen sein. Es muss auch nicht zwingend ein – aus heutiger Sicht – extremes oder besonders schlimmes Ereignis sein. Stell dir ein ganz simples Beispiel vor: Du möchtest deiner Mama aufgeregt von einem Erlebnis erzählen. Sie ist gerade total gestresst und weist dich mit einem schroffen “Jetzt nicht!” ab. Vielleicht war das gar nicht böse gemeint und gegen dich gerichtet und doch kann es eine zarte Kinderseele so tief treffen.

Diese inneren Anteile, die da in uns einfach mitgetragen werden, sind unsere inneren Kinder. Ich spreche hier auch von der Mehrzahl, weil es natürlich viele solche Situationen gibt. Und diese inneren Kinder tragen wir bis ins hohe Erwachsenenalter mit.

Sie stehen also für die Verletzungen, diesen Schmerz, den wir vielleicht auch erlebt haben.

In gewisser Weise tragen wir alle dieses tobende kleine Kind in uns, was nicht gesehen wurde durch seine Eltern oder was allein war, was angstvoll war, ja, was einfach nicht angenommen wurde in seinen Gefühlen. Und diese inneren Kinder prägen uns so sehr, dass sie auch unser erwachsenes Handeln tatsächlich steuern und gar kontrollieren.

Wie und wann zeigt sich dein inneres Kind?

Fragst du dich manchmal: “Warum habe ich gerade so überreagiert?” Irgendwie war ich gerade nicht ich selbst …”

Manchmal erleben wir als Erwachsene Situationen, in denen wir denken: “Das war doch jetzt nicht ich! Warum bin ich denn jetzt hier eigentlich so ausgeflippt?” 

Und das oftmals so, dass wir es uns gar nicht erklären können, warum diese Situation uns so angetriggert hat. Das ist ein ganz typisches Zeichen dafür, dass es sich um ein inneres Kind handelt und was da gerade getobt hat.

Warum ist dein inneres Kind wütend?

Ganz einfach, dein inneres Kind möchte dich daran erinnern, dass etwas aus deiner Kindheit noch nicht angenommen und gesehen wurde. Und hier ist es ganz wichtig, dass du diese Situationen einfach wahrnimmst. Dein inneres Kind möchte, dass du diese Situation siehst und dich dann später in einer ruhigen Minute deinem inneren Kind widmest.

Das kannst du zum Beispiel durch eine Meditation oder durch eine kleine Übung machen. Diese findest du auch hier in diesem Beitrag ganz wunderbar erklärt.

Wir tragen diese inneren Kinder so lange mit uns herum, bis sie wirklich angesehen wurden, bis sie die Anerkennung bekommen haben, die sie damals in der Kindheit nicht erhalten haben. Und ganz wichtig: Diese Anerkennung, dieses Gesehenwerden bekommst du nicht im Außen, sondern das kannst du dir nur selber geben.

Dein Außen kann dir nicht die Anerkennung geben, die du damals als Kind nicht bekommen hast …

Und da kannst du noch so viel leisten und noch so viel auf die Beine stellen. Oder noch so viel Toben, noch so viel Jammern. 

Nur du kannst dir die Aufmerksamkeit schenken, die du benötigst. Nur du kannst dir die Liebe schenken, die du damals vielleicht nicht bekommen hast. Du wirst sie nicht mehr im Nachhinein von deinen Eltern bekommen oder von deinem Partner. Und doch liegt genau hier die Wurzel in so vielen ganz alltäglichen Konflikten oder in einem “Betteln” nach Anerkennung, Aufmerksamkeit und Liebe.

Es ist so wichtig, dass du nicht diese Situationen, die damals im Kindesalter waren, auf deine jetzigen Beziehungen projizierst. Heute bist du erwachsen und so kannst du die Situationen für dich selbst heilen. Jetzt fragst du dich vielleicht:
“Wie soll ich das denn nun wieder heilen?!”

Sonne und Schatten - alles ist in dir und das ist gut so

Wir tragen sowohl Schatten-Anteile als auch Sonnen-Anteile in uns. Also wirklich diese schönen sonnigen Gefühle wie Freude, kindliche Begeisterung, die Liebe, einfach dieses Glück, diese Dankbarkeit. Das sind ja auch die Dinge, die wir gerne erleben wollen.

Und dann gibt es die Schatten-Anteile. Diese Gefühle, die wir einfach nicht mögen. Sowas wie Groll, Verbissenheit, Angst, Alleinsein, dieses klein sein. Ganz wichtig ist es, dir dessen bewusst zu werden, was das ist und was da ist, was sich zeigen möchte.

Das betrifft sowohl deine Sonnenseiten als auch deine Schattenseiten.

Damit es gleich praktisch wird, habe ich eine kleine Übung für dich mitgebracht:

Übung: Wie kannst du Sonne & Schatten deines inneren Kindes erkennen und annehmen?

Ablauf der Übung:

  1. Denke an eine Situation, in der du z.B.: überreagiert hast oder in der du stark getriggert wurdes.
  2. Skizziere jetzt einen Menschen auf ein weißes Blatt Papier. Das darf ganz simpel sein, die Umrisse reichen vollkommen aus.
  3. Schau dir diesen “Menschen” an, denke an die Situation.
  4. Schreibe jetzt alles auf, was kommt. Und das ist natürlich aus dir heraus. Wie fühlst du dich gerade oder wie hast du dich in der Situation gefühlt, die dich so aufgeregt hat? Schreib alles auf und dann schau mal genauer hin bei diesen Dingen.
    1. Was hat dich vielleicht verärgert? 
    2. An was hast du dich vielleicht erinnert?
    3. Fällt dir ein, wo du dieses Gefühl schon einmal gefühlt hast? Was ist früher einmal geschehen – woran musst du vielleicht denken?
  5. Schau dir nun an, was du auf diesem Blatt Papier alles aufgeschrieben oder vielleicht gezeichnet hast. 

Und dann?

Und so kannst du es langsam in dein Bewusstsein holen, was damals in der Kindheit geschehen ist. Eines ist dabei besonders wichtig: Versuche bitte bei dieser Übung nicht in eine Opferhaltung zu gehen und deinen Eltern oder deinen Bindungspersonen von damals die Schuld für etwas zu geben.

Sie konnten es damals tatsächlich nicht besser. Sie waren in dieser Situation ihre beste Version. Ja, heute würden sie vielleicht ganz anders handeln.

Heute bist du erwachsen. Du hast die Wahl. Heute ist es deine Verantwortung für dein Leben und nur du selbst kannst es verändern. Du kannst es jetzt sehen. Du hast die Verantwortung für dich und dein Leben und darfst jetzt mit diesen Anteilen arbeiten. Du darfst dich jetzt um dein inneres Kind kümmern und ihm das geben, was es damals gebraucht hätte.

Dein inneres Kind heilen - geht das?

Natürlich ist das möglich. Du kannst dein inneres Kind ganz wunderbar selbst heilen, indem du immer wieder mit ihm ins Gespräch kommst. Ganz ähnlich wie in der kleinen Übung.

Du kannst dich um dein inneres Kind sorgen. Das gilt für fast alle Situationen.

In der Praxis kann das z.B.: so aussehen:

 

  1. Stell dir vor, …

    du hast Streit mit deinem Partner. Es geht ganz schnell und schon werft ihr euch vielleicht Themen um die Ohren, die ihr in Wahrheit gar nicht so meint. Es wird schnell emotional und Worte sind schnell und ungefiltert ausgesprochen. Dein inneres Kind spricht und du bist nicht mehr objektiv. Du bist in deinem Drama gefangen.

     

  2. Was könntest du in dieser konkreten Situation tun?

    Nimm dir Raum. Du kannst z.B.: sagen, dass du einen Moment brauchst. Geh, wenn möglich, aus der Situation raus und sprich zu dir selbst.

    Denn meistens ist es das innere Kind, das in uns tobt. Was damals nicht gesehen wurde.

     

  3. Sag zu dir selbst etwas wie: …

    “Hey, beruhige dich meine Kleine.“ Ich sehe dich. Ich nehme dich in den Arm. Kannst du mir bitte etwas Zeit geben? Ich möchte die Situation jetzt und hier für uns klären. Aber mit meinem erwachsenen Ich. Mit all dem, was ich bis jetzt auch Positives wiedererleben durfte. Ich möchte einfach in meiner Stärke sein und nicht wie ein trotziges kleines Kind reagieren. Hilfst du mir dabei?”

  4. Wenn du dann in diesem Zwiegespräch mit deinem inneren Kind warst, …

    kannst du wieder in die Situation zurückgehen und dann das Gespräch mit deinem Partner vielleicht einfach ganz anders führen. Vielleicht kannst du jetzt sagen:

    “Hey, es tut mir leid, was da gerade war.
    D
    as meinte ich nicht so, ich war gerade mit mir selber in der Zerrissenheit.”

    Sei einfach ganz offen mit dem, was in dir geschieht.

Nimm dir Zeit für dein inneres Kind - Es ist so weise!

Wir haben so viel über die Heilung deines inneren Kindes gesprochen oder wie sehr es dich manchmal triggert oder behindert. Dabei ist es so viel mehr. Dein inneres Kind ist so weise, es ist voller Energie, Freude, Liebe und Leichtigkeit. Auch diese Aspekte kannst du so wunderbar nutzen.

Suchst du krampfhaft nach der Lösung oder Antwort auf ein Problem oder eine Frage?

Dann verbinde dich doch mal mit deinem inneren Kind: Was würde die Kleine oder der Kleine an deiner Stelle tun? Du wirst überrascht sein, welche grandiose Lösungen Kinder so oft auf “die großen Fragen” der Erwachsenen haben.

Es darf leicht sein. Also nutze doch mal die Weisheit deines inneren Kindes oder trinke ganz bewusst einen Kakao mit ihr oder ihm?

Verletzungen und Traumata kommen nicht nur aus der Kindheit

Wir können den Begriff des inneren Kindes noch erweitern.  Denn wir werden nicht nur in unserer Kindheit tief verletzt, sondern auch in unserem Erwachsenen sein. Es gibt also auch einen inneren Mann in dir, eine innere Frau in dir, die verletzt worden ist.

Auch da ist es wichtig hinzugucken. Gibt es solche Anteile? Wie sehen Sie aus? Wo bin ich da noch nicht in meiner Stärke? 

Aus meiner Erfahrung ist es wichtig, nicht alles auf die Kindheit zu projizieren, sondern immer in dem Bewusstsein zu sein, dass auch jetzt in unserem Erwachsenenalter Dinge geschehen.

Dinge und Ereignisse, die uns auch traumatisieren können, die uns ganz stark prägen können. Auch hier ist es wichtig, in die Heilung zu gehen. Das kannst du ganz wunderbar durch eine Meditation machen oder auch in einem Zwiegespräch mit dir selber. Das kannst du ganz ähnlich gestaltet, wie das Gespräch mit deinem inneren Kind.

Denn wir Frauen zum Beispiel leben sehr, sehr oft nicht den inneren Mann in uns. Wenn du darüber noch mehr erfahren möchtest, dann höre gerne auch in die Podcast Folge du den “Weiblichen und männlichen Aspekten” hinein. Ganz bald wird auch zu diesem Thema ein Blogbeitrag erscheinen. Diesen Beitrag werde ich auch an dieser Stelle verlinken.

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Ich wünsche dir eine ganz wunderschöne Zeit mit deinem inneren Kind. Viel Freude beim Entdecken und Erkunden!

Wenn ich dich auf deinem Weg unterstützen darf, dann melde dich bei mir! “Link zu Kontakt”

Deine Stephanie